Schauspielerei im Arbeitszimmer

Manchmal hilft es beim Schreiben wirklich jedes bisschen Vernunft über Bord zu werfen.

(Dieses tolle Bild hat Felix, ein guter Freund, geschossen. Danke nochmal 🙂 )

Manchmal ertappe ich mich beim Schreiben dabei, wie ich die Mimik der aktuellen Akteure nachspiele. Ich verziehe die Lippen, sitze aufrechter, presse die Kiefer aufeinander oder bin insgesamt angespannter.
Wie ein Schauspieler vergessen muss, was er vielleicht in der Szene tun würde, muss ein Autor hinter sich lassen, wie er selbst reagieren würde. Wichtig ist, was tut die Figur? Was entspricht ihrem Charakter? Manchmal möchte ich Jason würgen und schütteln. Er tut Dinge, die ich als unhöflich, unfreundlich oder schlimmer einstufe. Aber: Das ist sein Charakter, seine Figur.
Er ist nicht ich, so wenig ein Schauspieler derjenige ist, den er darstellt. Als Schriftsteller versuche ich, jede meiner Figuren in den Abenteuern um Jason herum zu sein. In fiktiven Interviews habe ich sie immer besser kennen gelernt und kann sie beim Schreiben einfach sie selbst sein lassen.

Ich bin nicht besonders gut darin, meine Vorarbeit zu organisieren. Meine Notizen sind in meiner Sauklaue verfasst und immerhin habe ich es geschafft, sie in einem Ordner abzuheften. Aber ehrlich gesagt, dass meiste findet in meinem Kopf statt. Dort tummeln sich alle meine Figuren, verlange nach Aufmerksamkeit und sind mal lauter, mal leiser. Alles was ich über sie wissen muss, ist in meinem Kopf. Andere Autoren sind perfekt organisiert, haben Tabellen, nutzen clevere Funktionen der Programme usw. Bei mir?

Während des Schreibens gibt es Phasen, in denen ich durch das Zimmer marschiere und die Dialoge durchspiele. Wortwörtlich: durchspiele.
Ich bin sowohl die eine als auch die andere Figur, lasse mich von dem mitreißen, was meine Akteure gerade erleben. Da habe ich gar keine Zeit, in Unterlagen zu wühlen. Wie war nochmal seine Redeweise, was würde er jetzt tun? Ich verlasse mich ganz darauf, meine Figuren zu kennen.

Der Schriftsteller ist Drehbuchautor, Regisseur, Ausleuchter, Tontechniker, Kameramann und Schauspieler in einem. Er erstellt den Plot, castet die Darsteller, gestaltet die Bühne, rückt alles ins rechte Licht und platziert die Figuren. All das geschieht meist im stillen Kämmerlein. Dank Lebenserfahrung, „geliehener Erfahrungen“, einer Menge Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen.

Ich genieße es, auch mal alle Vernunft fahren zu lassen. Ich schreibe Fantastisches! Warum also ernst bleiben? Der Vorteil des Autorendaseins: Ich bin allein! Es sieht keiner, wenn ich mich mal wieder völlig in einer meiner Welten versinke, mich von meinen Figuren mitnehmen lasse, mir die Haare raufe, irre lache, lautlos eine Träne fließt oder mir der Angstschweiß auf der Stirn steht.

Vergesst den Ernst des Lebens, wenn ihr tut, was ihr liebt! Seid einfach. Nicht mehr, nicht weniger. Kreativ. Leidenschaftlich. Wütend, wenn es der Szene dient! Völlig egal. Seid nach dem Schreiben erschöpft. Dann war es gut.

Bei den Aufnahmen zu dem Stimmung-Teaser ist das tolle Foto entstanden.

Tut was ihr tut mit Leidenschaft.
Dieser Teaser ist mit einer einfachen Kamera, drei Taschenlampen und dem was vor Ort war, entstanden. Aber vor allem hat es Spaß gemacht.

Wo steht „Am Anfang allein“?
In der letzten Phase. Version 5 ist durch. Die zweite Runde Lektorat ist beendet. Aktuell suche ich nach jemandem für das Korrektorat.

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